Die interdisziplinäre Arbeitsgruppe Hodentumoren, German Testicular Cancer Study Group, wird von Verteter*innen der medizinischen Onkologie, Urologie und Strahlentherapie geleitet.

Ziel der Arbeitsgruppe ist es, interdisziplinäre Projekte zur Erforschung der Keimzelltumorerkrankung und zur Verbesserung der Versorgung im Sinne von Registern, klinischen Studien und grundlagenorientierten Projekten in einem nationalen Konsortium unter Einbindung von Kolleg:innen aus der Schweiz und Österreich zu initiieren und erfolgreich gemeinsam durchzuführen. Die Arbeitsgruppe betreut auch die Erstellung der Leitlinien und Konsensusempfehlungen zu Keimzelltumoren und bietet Zweitmeinungen und Beratung an. Durch ihre hohe wissenschaftliche Aktivität und Sichtbarkeit sind die Mitglieder der Arbeitsgruppe Hodentumoren auch in internationale Konsortien (EAU, ESMO, G3-Hodentumorgruppe) aktiv eingebunden.

Sprecher

Prof. Dr. Carsten Bokemeyer

Prof. Dr. Carsten Bokemeyer

Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Medizinische Klinik II
Martinistraße 52
20246 Hamburg

Telefon +49 40 74100
E-Mail c.bokemeyer@uke.de

State-of-the-Art Vortrag

Prof. Dr. Carsten Bokemeyer
Anlässlich der AIO-Herbsttagung im November 2021

Berichte

Bericht der Arbeitsgruppe vom November 2021

Die Interdisziplinäre Arbeitsgruppe Hodentumore, German Testicular Cancer Study Group (GTCSG), besteht mehrheitlich aus Vertretern der Arbeitsgemeinschaften Internistische Onkologie (AIO), Urologische Onkologie (AUO) und Radioonkologie (ARO), die ihren klinischen und/oder wissenschaftlichen Schwerpunkt im Bereich der Hodentumoren haben. In der Gruppe sind zudem Kolleginnen und Kollegen aus Österreich und der Schweiz vertreten, so dass es sich um eine internationale deutschsprachige Arbeitsgruppe handelt.

Zu den wichtigsten Aktivitäten und Projekten der interdisziplinären Arbeitsgruppe im Jahr 2021 zählen:

  • Publikation der Kernpunkte der S3 Leitlinie in Urologia internationalis (Part I und Part II)
  • Fortführung einer internationalen Studie zum Stellenwert der microRNA miR-371a-3p in der Nachsorge und bei rezidivierten Keimzelltumoren
  • Sehr aktive Rekrutierung deutscher Zentren in der internationalen randomisierten Phase-III-Therapiestudie zum Vergleich einer konventionellen versus Hochdosischemotherapie im Rezidiv (TIGER)
  • Beginn der Rekrutierung deutscher Studienzentren in der schweizerisch geleiteten Studie zur sequenziellen Chemo-Radiotherapie beim Seminom im klinischen Stadium IIA/B (SAKK 01/18)
  • Vorstellung der ersten Ergebnisse der SAKK 01/10 Studie als Late Breaking Abstract auf der ESMO Jahrestagung 2021
  • Fortführung eines internationalen Registers für Patienten mit refraktären Keimzelltumoren und palliativer Therapieindikation
  • Unser Vertreter aus der Pathologie, PD Dr. Bremmer, wurde zum Mitautor der neuen WHO-Klassifikation für Keimzelltumore berufen

Die deutschen Studienzentren gehören zu den an den erfolgreichsten rekrutierenden Zentren der internationalen randomisierten Phase III Studie TIGER, die eine konventionelle Chemotherapie mit einer Hochdosischemotherapie randomisiert vergleicht.

Aufgrund der guten Rekrutierung wurde seitens der EORTC eine Rekrutierung an europäischen Zentren über die avisierte Zahl an Einschlüssen in Europa genehmigt.

Bislang wurde in Deutschland an 11 Zentren 59 Patienten rekrutiert und behandelt.

Die Studie wird hoffentlich zeitnah die optimale Salvagetherapie für Patienten mit Keimzelltumor im ersten Rezidiv nach platinhaltiger Vortherapie definieren und damit einen internationalen neuen Standard markieren.

Die von der DKG geförderte „S3 LL zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge von Keimzelltumoren des Hodens“ wurde mit der Erstellung der Patientenleitlinie in 2021 fortgeführt.

Kernpunkte der Leitlinie wurden zudem in englischer Sprache im Journal Urologia Internationalis publiziert, um die Leitlinieninhalte einer internationalen Leserschaft zugänglich zu machen.

Zudem wurden eine Reihe von Übersichtsarbeiten basierend auf der systematischen Literaturrecherche für die S3 Leitlinie beim Journal World Journal Urology eingereicht.

Auch im Jahr 2021 hat die GTCSG trotz widriger Umstände im Rahmen der allgegenwärtigen COVID-19-Pandemie in Online-basierten AG-Sitzungen gemeinsame Projekte vorangebracht.

Mit mehr als 20 Pubmed-gelisteten Publikationen zu Keimzelltumoren mit GTCSG Mitgliedern als Leitautoren belegt die Studiengruppe eine hohe wissenschaftliche Aktivität auf dem Gebiet der Keimzelltumoren.

Mit neuen Mitgliedern aus Urologie und Onkologie ist die Studiengruppe weiter gewachsen und umfasst nun als deutschsprachige Studiengruppe Zentren in Deutschland, Österreich und der Schweiz im überregionalen Verbund ein.

Das Zweitmeinungsnetzwerk Hodenkrebs berät mit Beteiligung von Experten der GTCSG zahlreiche Anfragen zur Behandlung von Keimzelltumorpatienten aller Stadien in Deutschland und hilft so, die Ergebnisse der Behandlung dieser seltenen Erkrankung in Deutschland weiter zu verbessern.

Wir wollen die gelebte interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Expert*Innen der internistischen Onkologie, Urologie, Strahlentherapie und anderen Disziplinen in der Arbeitsgruppe erfolgreich fortführen und weiter ausbauen. Ziel dieser Kooperation in der Arbeitsgruppe ist und bleibt die gemeinsame kliniknahe Forschung im besten Sinne für unsere Patienten.

Unser zentrales Interesse gilt künftig der gemeinschaftlichen Initiierung überregionaler translationaler Forschungskonzepte und der Initiierung klinischer Studien, z.B. bei refraktären Erkrankungsverläufen.